Wappen von Musbach Obermusbach

Der Maibaum

Heute wird in vielen schwäbischen Orten am Abend vor dem 1. Mai oder am Morgen des 1. Mai an zentraler Stelle ein Maibaum aufgestellt. Dieser Maibaum besteht meistens aus einer etwa 10 m hohen Tanne oder Fichte, deren Stamm bis auf die obersten 3 m geschält ist. Die Spitze bleibt erhalten und die Zweige werden mit bunten Bändern geschmückt. Dieser Maibaum ist also anders als die bayrischen Traditions-Maibäume, die mit Zunftschildern versehen sind.
 

Maibaum in Musbach
Maibaum in Musbach beim Bürgerhaus
 
Woher kommt nun unser schwäbische Maibaum?

Im Konferenzaufsatz des Schullehrers Haaf aus Untermusbach von 1899 finden wir folgende Schilderung:
"Am 1. Mai werden den Mädchen "Maien" gesteckt. Es sind dies schöne, kräftige Tannen, mindestens so hoch als die betreffenden Häuser, an denen sie aufgestellt werden. Überragt eine solche Tanne das Haus nicht, dann ist die "Liebe" nicht mächtig genug, um das Mädchen glücklich zu machen. Will man einem Mädchen einen "Possen spielen", dann wird ihm in der Nacht auf den 1.Mai ein Reisbüschel an das Haus gesteckt.
Ist ein Mädchen als "schlechte" Person bekannt, dann ist schon vorgekommen, dass man von ihrem Haus bis zum Farrenstall Sägemehl gestreut hat. Damit ist ein Mädchen als "Hure" öffentlich gebrandmarkt.
Ist ein Wirt oder eine Wirtin bei ihren Gästen beliebt, so wird ebenfalls ein "Maien" gesteckt. Doch wird erwartet, daß hernach das übliche "Maienbier" in Strömen fließt.
Ein griesgrämiger, knauseriger Wirt wird durch ein Reisbüschel geärgert.
Der "Maien" bleibt stehen vom 1. - 31.Mai. Ein früheres Entfernen des Maien gilt als schwere Beleidigung dem Stifter gegenüber. Der "Liebhaber" hat zugleich den untrüglichsten Beweis, daß alle weitere "Liebesmüh" vergeblich ist."
 
In einer Beurteilung der württembergischen Konferenzaufsätze von 1900 finden wir eine Hinweis, dass das Mai-Stecken bei empfindlichen Forststrafen unterdrückt wird.
Kritik an den volkstümlichen Überlieferungen aus dem Oberamt Nagold.
Nach meinen im letzten Herbste gemachten Erfahrungen verschwinden die alten Gebräuche immer mehr. Das Maien-Stecken z.B. wurde durch ganz empfindliche Forststrafen unterdrückt. gez. Sporn
 
Die Forstverwaltungen haben also offensichtlich Ende des neunzehnten Jahrhundert das Fällen der etwa 20- 30-jährigen und 10-15 m hohen Jungbäume untersagt.
Dies hat vermutlich dazu geführt, dass nur noch kleine Fichten geschlagen wurden. Um dann die traditionelle Vorgabe zu erfüllen, dass der Maienbaum über das Dach hinausragt, wurden die kleinen Bäumchen heimlich auf das Dach und häufig in den Kamin gesetzt. 
Maien im Kamin in OM

Diese Tradition wurde noch bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts gepflegt.
So wird berichtet, dass ein junger Mann aus Obermusbach für seinen Kumpel aus Untermusbach auf einem großen Obermusbacher Bauernhaus eine Maien in den Schornstein gesteckt hat. Hierfür ist er im Scheuerbereich auf das Dach gestiegen und auf dem Hosenboden über die fast gesamte Hauslänge auf dem bröselnden Dachfirst zum Kamin im vorderen Hausbereich gerutscht.



 
Auch für die Mädchen war der Maien ein wichtiger Beweis ihrer Begehrtheit. Und wenn der Verehrer sich nicht traute, so wurde auch mal der Geheimhaltung dieser Tat zum Trotz von den Mädchen die Initiative ergriffen. So hat eine Obermusbacherin ihren Freund festgehalten als er ihr durch das Dachfenster einen Maien in das Dachrinnenrohr gesteckt hat. 
Aus Gründen der Gefahr beim Aufstellen ist auch diese Tradition verschwunden. Als eine abgewandelte, nicht so gefährliche Tradition, folgte dann noch das Aufstellen des Maien vor der Haustür oder im Garten. Bald verschwand auch dieses Symbol der Zuneigung und Liebe.


 
Unser heutiger Maibaum.
 
Neu entstanden ist dann die Sitte, an einer zentralen Stelle im Dorf einen Maibaum, angepasst an die alte Tradition, aufzustellen.
 
So wird auch in Musbach jedes Jahr von der Freiwilligen Feuerwehr ein Maibaum vor dem alten Schul- und Rathaus in Untermusbach aufgestellt.
 
 
Aufgeschrieben von Hans Rehberg
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