Wappen von Musbach Obermusbach

Das gestohlene Motorrad

Herbert Finkbeiner erzählt aus seinen Kindheitserinnerungen:

Zum Kriegsende war ich 5 Jahre und kann mich noch genau an das Pfeifen der Granaten erinnern, die über Musbach nach Freudenstadt flogen. Stärker in der Erinnerung ist jedoch der Tag als französische dunkelhäutige Soldaten an die Haustür schlugen.
Meine Mutter Käthe öffnete die Tür und stand den Soldaten gegenüber. Als vorwitziger Bursche war ich natürlich an ihrer Seite.
Die Soldaten verlangten unser Motorrad und glaubten Mutter nicht, die das Vorhandensein eines Motorrades leugnete. Dies war natürlich unglaubwürdig, da die Franzosen nur von dritter Seite, aus Musbach, von diesem Motorrad wissen konnten, das lange Zeit nicht mehr gefahren worden war und auf die Heimkehr des Vaters wartete.
Die Franzosen setzen ihre Seitengewehre auf die Gewehrläufe und drückten die Spitzen dieser Klingen an den Bauch der Mutter, die in ihrer Verzweiflung meine Hände immer fester umklammerte. Dieser schrecklichen Drohung nachgebend zeigte sie auf die Scheune und das Scheunentor, da hier das Motorrad versteckt war. Die französischen Soldaten zerrten es hervor und schoben es da der Tank leer war in Richtung Sauwasen. Während die Soldaten mit dem Motorrad in Richtung Sauwasen unterwegs waren lief die Mutter zum kommissarischen Bürgermeister Stoll und beschwerte sich bei ihm über den Diebstahl des Motorrades. Dieser handelte schnell und brachte die Plünderung umgehend bei der französischen Kommandantur zur Anzeige.
Die Soldaten mussten darauf hin das Motorrad herausgeben und Mutter konnte es wieder heimwärts schieben. Jedoch bereits am nächsten Tag waren sie wieder an der Haustüre Diesmal hoben sie drohend ihre Gewehrkolben, bereit zuzuschlagen. Wieder zeigte Mutter auf den Schopf und die Franzosen marschierten mit dem Motorrad davon.
Auf eine weitere Anzeige verzichtete Mutter da die Drohungen zu massiv waren und sie um die Gesundheit und das Leben fürchten musste.
 
                    Fahrzeugbrief des Motorrades
 
Es war kein Trost, dass später zu hören war, zwei Franzosen seien bei einem Unfall mit dem gestohlenen Motorrad um Leben gekommen. Der Vater hatte nach seiner Heimkehr aus 3-jähriger Gefangenschaft jedenfalls kein Motorrad mehr und musste mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Hallwangen fahren.
 
Aufgeschrieben von Hans Rehberg
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