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Emil Hamma war seit 1894 Gast in Obermusbach. Am 10. August 1910
beschloß der Gemeinderat von Obermusbach Emil Hamma zum Ehrenbürger von
Obermusbach zu ernennen. Die Ehrenbürgerurkunde ist leider nicht mehr
erhalten, im Gemeindearchiv haben wir jedoch noch ein Rechnungen für das
Urkundenblatt
und die Rahmung durch Schreiner Oesterle gefunden.
10. August 1910
Von verschiedenen Bürgern wurde angeregt den nunmehr seit 20
Jahren hier wohnenden Emil Hamma von Stuttgart als
Ehrenbürger in die hiesige Gemeinde aufzunehmen.
Vom Gemeinderat wurde beschlossen:
Den Emil Hamma von Stuttgart in Anbetracht der während seines
langjährigen Aufenthaltes hier freundschaftlichen Verhältnisses mit den
hiesigen Bewohnern, als Ehrenbürger in die hiesige Gemeinde aufzunehmen
und demselben eine Ehrenbürgerrechtsurkunde zu übereichen.
Die persönlichen Daten von Emil Hamma.
Emil Hamma, *11.8.1855 in Stuttgart +7.11.1928 heiratet 1880
Wilhelmine Maria Frey, *19.12.1857 +7.8.1906. Sie haben 10 Kinder, davon 3
Zwillingspaare. Die Söhne Fridolin und Emil übernehmen die Firma Hamma
& Co..
Der Vater ist Fridolin Hamma, * 14.12.1818 in Wurmlingen, +11.1.1892
in Stuttgart.
![]() Die Familie vonEmil Hamma
um 1900 in Obermusbach
![]() Der Jäger Emil Hamma
um 1905 in Obermusbach
![]() Emil Hamma rechts mit seinen Onkeln Benjamin Hamma, ohne
Hut und Franz Xaver Hamma. Knabe nicht bekannt.
Emil Hamm in Musbach um 1914 mit Kinder und
Oersonal.
Von links: Emma Frey-Verwalter, Mely Hamma, Gertrud
Hallmayer-Hamma, Hedwig Hamma, Fridolin Hamma, Mariechen Hamm die Tochter
von lbrecht Hamma, Frl. Wehmer, Alfred Hamma, Erwin Hamma, Emil
Hamma.
Das erste Auto 1923
Das zweite Auto
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Am besten ist der Ehrenbürger Emil Hamma durch einen Zeitungsartikel
beschrieben, der anläßlich seines Todes am 5.12.1928 in einer
Musik-Instrumenten-Zeitung erschien.
Emil Hamma
In den letzten Tagen hat uns ein merkwürdiger Mann für immer
verlassen, dem wohl in diesen Blättern ein ehrendes Denkmal gesetzt werden
darf.
Wir meinen den bekannten, in seinen Kreisen hoch geschätzten, ja
berühmt gewordenen Altgeigenhändler Emil Hamma. Er hat Anfang der
achtziger Jahre die vom Vater 1864 gegründete Musikinstrumenten-Handlung
übernommen, nachdem er sie während mehreren Jahren kaufmännisch geführt
hatte, wobei sich bald sein kühner, die Grenzen des väterlichen Betriebs
durchbrechender Unternehmergeist und sein ausserordentlich scharfer Blick
für die Beurteilung edler, alter Saiteninstrumente geoffenbart hat. Mehr
und mehr erhob er den Handel mit solchen zum Hauptgegenstand seines
Geschäftes und verschaffte sich auf großen, durch viele Jahre
hindurch unternommenden Geschäftsreisen, besonders in Italien reiche,
überragende Kenntnisse und lohnende Verbindungen mit allen namhaften,
diesem edlen Geschäftszweig dienenden Firmen der ganzen höhere Musik
betreibende Welt. Er hat sich tatsächlich zum befähigsten, erfahrensten
und scharfsichtigsten Kenner auf diesem höchst eigenartigen, vielfach
rätselhaften, ja fast mysteriösem Gebiete aufgeschwungen und seinem
Geschäft den Weltruf erworben, den es schon lange genießt. Kaum jemand
hatte so viele kostbare alte Meistergeigen, Stradivari, Guarneri, Amati
und wie sie alle heißen, zur Beurteilung oder zu Kauf und Verkauf in
der Hand wie er. Seine berühmte Kennerschaft wäre aber nicht möglich
gewesen, wenn sich nicht zu seinen sonstigen Begabungen ein fabelhaftes,
nie versagendes Gedächtnis für die feinsten Besonderheiten der einzelnen
Instrumente gesellt hätte.
Sein kecker Drang im Mutterland der Saiten-Instrumente nach
den überall verstreuten Werken der alten Meister zu spüren, führte ihn
schon als blutjunger Mann auf oft gefahrvollen Wegen in die entlegensten
Gebirgsdörfer, Klöster und Schlösser Italiens bis hinunter nach
Calabrien und Sicilien. Gerade in diesen schwer zugänglichen
Gegenden, in die nie zuvor ein Geigenhändler den Fuß zu setzen
gewagt hatte, konnte er auf Erfolg hoffen. Und er hat ihn gefunden, wenn
auch unter ernsten Mühen, die im Anfang, ehe er mit Sprache, Land und
Leute vertraut war, so sauer gewesen sind, daß sie nur durch eine
äußerst mutvolle und tatkräftige Natur, wie die seinige es war, überwunden
werden konnten. In der Person seines jüngeren, ebenfalls geigenkundigen
Bruders Albert wuchs dem Unternehmen mehr und mehr ein wertvoller
Mitarbeiter heran, dadurch nämlich, daß dieser seinen Wohnsitz nach
Italien verlegte und nun seine ganze Zeit dazu benützen konnte, sich
in die eigentümlichen, oft äußerst schwierigen Verhältnisse
einzuleben und die vorbereitenden, Geduld und Vorsicht heischenden Reisen
zu machen, um alsdann, wenn der ältere Bruder zum Einkauf kam, um so
planvoller und erfolgreicher arbeiten zu können.
Das war einer der Wege, welche die Firma Hamma & Co schon vor
Jahrzehnten zu gutem Erfolg geführt haben, insbesondere zu
ihrer überragenden Kennerschaft. Aber nebenbei erwarb sie sich das
erst heute recht begreifbare, ideale Verdienst, viele Hunderte alter
italienischer Instrumente aus tiefster Verborgenheit, ja aus der
Verlorenheit heraus an das Licht und in das Leben der Gegenwart gezogen
und dem internationalen Geigenhandel dienstbar gemacht zu
haben.
Wo einen solche Quelle für den seltenen Gegenstand aufgetan war,
mußte sich der Geschäftsumsatz mit den einschlägigen Händlern aller
Kulturzentren Europas und darüber hinaus, wie von selbst entwickeln und zu
jeder Art äußeren Erfolges führen.
Der Absatz so kostbarer Instrumente konnte eben damals nur zu
einem kleinen Teil in Deutschland gefunden werden, das erst allmählich für
die Wertschätzung heranreifen mußte. Gerade aber darin lag der große
Vorteil begründet, das Emil Hamma sich gezwungen sah, mit allen namhaften
Händlern und Sachverständigen des Auslandes, insbesondere Englands und
Frankreichs, durch Jahrzehnet hindurch in den lebhaftesten persönlichen
Verkehr zu treten. Er hat dabei die beste Gelegenheit gefunden, die
berühmten Geigen der Welt, wie sie über den internationalen Markt
gezogen sind, kennen und beurteilen zu lernen, oder für seine eigenen
Handelszwecke in Tausch oder Kauf zu erwerben. Im Benehmen mit
anderen gründlichen Sachverständigen wuchs nicht nur seine Kennerschaft
zur Bedeutung einer Autorität empor, sondern auch die scharfe Einsicht,
daß ein so edler und kostbarer Handelsgegenstand im höchsten Sinne
Vertrauensartikel sei und nur mit der äußersten Gewissenhaftigkeit sowohl
im Ein- und Verkauf, wie in der auftragsgemäßen Begutachtung und Bewertung
behandelt werden dürfe und könne.
Eine natürliche Folge davon wurde, daß sich Ruf und Vertrauen zur
Firma Hamma & Co. aufs vorteilhafteste über die ganze Geigenwelt
ausgebreitet hat und ein Garantieschein mit ihrem Namen ebenso unbedingt
geachtet wird, wie einer von den gediegenen und altberühmten Geigenhause
W. E. Hill & Son in London.
Von Zeit zu Zeit hat die Firma Hamma & Co. reich
illustrierte Verzeichnisse ihrer großen und wertvollen Lagerbestände
herausgegeben, die insgesamt nicht nur ein überwältigendes Bild ihrer
unglaublich großen Umsätze in echten Meistergeigen lifern, sondern auch
eine Fundgrube für die Geigenkunde darstellen.
Das nächste derartige noch reicher mit Abbildungen und
eingehendem, auf geschichtliche Texte ausgestattete größere Werk alte
Geigen, sollte noch zur Lebenzeit des Altsmeisters der Firma erscheinen
und ihm dargebracht werden.
So war es vom Sohne Fridolin Hamma, dem vieljährigen, technischen
Mitarbeiter geplant. Nun nach dem Tode des Vaters wird es seinem Andenken
gewidmet werden und kann zugleich als Zeichen dafür gelten, daß die Firma
im alten bewährten Geist weitergeführt wird mit Hilfe der zwei Söhne, die
schon seit Jahren die Hauptbürde des Geschäfts getragen haben.
Auch als Mensch hat er die Spuren eines besonders gearteten
Mannes hinterlassen. Er besaß eine urwüchsige frische lebensfrohe Natur,
war großzügig, gerade, offen, gelegentlich massiv, aber immer gerecht,
gutherzig und hilfsbereit. Seine Gebefreudigkeit ist fast überschwenglich
gewesen, und viele dankbare Herzen werden um ihn trauern. Am innigsten die
Glieder seiner Familie, denen er ein überaus hingebendes Haupt
gewesen.
Seine Erholung von weiten Reisen, von Sorgen und Arbeit suchte er
schon von früher Jugend an in der Jagd und was für ein rassiger,
weidgerechter und froher Jäger ist er gewesen! Einer von der alten,
verantwortungsbewußten Art, die nun so selten geworden ist. Im Kreise der
Stuttgarter Jagdgesellschaft war er während Jahrzehneten belebende Seele,
Mittelpunkt und Vorbild. Eine unvergeßliche Gestalt "ein prächtiger Kerl",
wie einer seiner Jagdfreunde ihn genannt hat.
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