Die Heidelbeersuche
Ab Juni stellt sich die Frage, sind sie reif oder noch nicht? Komm laß
uns gehen und nachsehen. Wonach? Nach der beliebten Frucht des Waldes, der
Heidelbeere. Andernorts sagt man auch Blaubeere dazu. Diese süße Frucht,
die jeder in gebräuchlichen Mengen kostenlos aus den Wald holen kann. Die aber
auch durch den Fuchsbandwurm in Verruf gekommen ist, so dass mancher sie nur
noch als Plantagenfrucht essen mag.
Foto eines Heidelbeerstrauches
In der alten Zeitung "Der Grenzer" finden wir im Jahr 1900 eine Anzeige aus
der wir entnehmen, dass das Heidelbeer- und Preiselbeerpflücken nur für
Einheimische und Auswärtige die Waldbesitz in Obermusbach haben, gestattet
war. In weiteren Gemeinden wurde die Zeit des Sammeln und der Gebrauch des
Reff (ein Pflückkamm, mit dem großen Mengen schnell gepflückt werden konnten,
der Heidelbeerstrauch jedoch geschädigt wurde)eingegrenzt.

Auch im Musbacher Archiv werden wir fündig. Hier finden sich Anzeigen vom
Wald- und Feldschütz Oesterle gegen einige Musbacher und auswärtige Frauen
die zur unerlaubten Zeit zum Pflücken in den Wald gegangen sind.
23. Juli 1906
In der Strafsache gegen
1. Barbara Haas,
2. Maria Haas,
3. Karolin Wurster und
4. Maria Rauter, Dienstmagd von Frutenhof, Gem. Grüntal.
Anzeige durch Waldschütz Oesterle, hier.
Festgestellt ist, die Beschuldigten haben trotz öffentlicher
Bekanntmachung in hiesigen Waldungen Heidelbeeren gesammelt.
Geldstrafe von je 1 Mark oder 1 Tag Haft.
Die Anzeige ist rot durchgestrichen und als ungültig gekennzeichnet, wie
auch die weiteren Anzeigen.
Ebenso finden sich Anzeigen mit gleichem Datum gegen:
5. Christine Rohrer, Dienstmagd bei Gottlob Frey, Hirschwirt von
Durrweiler,
6. Christine Schleeh, Ehefrau des Matheis Schleeh von Durrweiler,
7. Christine Seeger und
8. Elisabeth Seeger, Töchter des Matheis Seeger von Aach,
9. Jakobine Wörner, Tochter der Karoline Wörner, Witwe von Aach,
10. Maria Haug, 21 Jahre alt, Ehefrau des Johannes Haug, Säger bei
Bernhard Bruder, Sägewerk von Freudenstadt,
11. Luise Dölker, 14 Jahre alt, Tochter des Mattheis Dölker,
Schuhmacher von Frutenhof, 12. Dorothea Lutz, Ehefrau des Wagner Lutz von
Wittlensweiler,
13. Rosine Dieterle, Tochter des Georg Dieterle von Aach.
Rosine Dieterle verweigert die Strafe, da sie bei ihrem Schwager
Pfeifle in Untermusbach in Dienst sei und für diesen die Beeren gepfückt
habe.
Kommentar Schultheißenamt Obermusbach:
Da die Gemeinde Untermusbach, weil die Mehrzahl der Bewohner hier
arbeitet, von diesem Verbot ausgenommen ist, so wurde die Betreffende, da sie
bei ihrem Schwager Haushälterin war, von der Strafe freigesprochen.
z.B. Obermusbach Schultheißenamt Kappler

Frauen beim Heidelbeerpflücken wie zu allen Zeiten
In früherer Zeit war die Heidelbeere auch die lebensnotwendige Speise
vom Auerhahn, der lange Zeit auch bei uns bejagt wurde. Leider ist er in unserem
Wald heute, vermutlich wegen der größeren Besiedlung und dem starken
Verkehrslärm, nicht mehr vorhanden. Zeitzeugen meinen, dass sie seinen
Lockruf noch in den 50ger Jahren vernommen haben.
Aus ganz Deutschland ist früher die Prominenz angereist um den Auerhahn im
Schwarzwald zu schießen. So finden wir in der alten Zeitung "Der Grenzer" von
1900 einen Artikel, nachdem der Generaladjutant des Kaisers,
Generalleutnant von Schwarzkoppen im Obermusbacher Wald zwei Auerhahnen
geschossen hat.
Nicht vergessen wollen wir auch die etwas später reifende Preiselbeere, die
vorzüglich als Marmelade zum Wildbraten passt. Auch die
Preiselbeeren finden wir mit etwas mehr Mühe beim Suchen im Musbacher
Wald.
Heidelbeeren und Preiselbeeren
Foto und Text von Hans Rehberg.