Wappen von Musbach Obermusbach

Ein Eremit im Obermusbacher Wald

Aus dem Leben des Einsiedlers Gallus Schupp.



Im Musbacher Wald lebte einst als einfacher, und natürlicher und armer Mensch der am Sonntag den 15.10.1758 in Bubenbach im Breisgau geborene Einsiedler Gallus Schupp, katholischer Konfession, der von der damaligen Umwelt einer zigeunerhaften Romantik geziehen wurde.
Unter entsagungsvollen, selbstgewählten Armutsverhältnissen, angepaßt an die Daseinsbedingungen unserer klimatischen Breitengrade, hauste er in seiner, zu dieser Zeit schwer auf-findbaren Waldhütte. Zahlreiche Legenden wurden um seine Person geschrieben. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Pfannenflicker, Häfenbinder, Köhler, vermutlich hat Schupp auch eine Ziege besessen. Durch diese Tätigkeiten konnte er sich keine Reichtümer sammeln.
Es ist sehr leicht solche Sonderlinge im Chor der öffentlichen Kritik zu verurteilen, aber schwer sie von einer höheren Warte zu betrachten.
Jedenfalls steht es fest, daß er sich lebenslang zur selbstgewollten Armut entschied, obwohl er durch Holzhauerarbeit oder als Knecht bei einem Bauern ausreichend und besser Wohnung und Brot erhalten oder in einem der vielen Sägewerke und Mühlen Beschäftigung und Unterkunft bequem in einem Dorf gefunden hätte.
Nichts von alledem hat ihn je beirrt, den sonst wäre er abhängig geworden. Er hatte die Absicht als Besitz- und Verdienstloser selbstständig bleiben, sich nicht beobachten und befehlen lassen und Herr seines Tuns und seiner Zeit bleiben.
Auch kann er nicht arbeitsscheu gewesen sein, wenn man die Mühen und Anstrengungen bedenkt, die er fast täglich mit den langen und beschwerlichen Wegen, besonders zur Winterzeit auf sich genommen hat.
War er ein Menschenhasser? So fragt sich heute die Nachwelt, oder hatte ihn seine Jugend so geprägt. Im übrigen, so aus alten Überlieferungen, soll Schupp ein sehr belesener und intelligenter Mensch gewesen sei.
Viele Berichte wurden um die Person Schupps geschrieben, getrost kann gesagt werden, daß auch viele Legenden dabei sind.
Sicher ist, Gallus Schupp war ein Desserteur aus der kaiserlichen vorderösterreichischen Armee.
Am Ende des 18-Jahrhunderts wanderte Schupp nach Polen (Warthegau) aus, offenbar der Auswanderungswelle dieser Zeit folgend, wollte er dort einen Neuanfang in seinem Leben beginnen. Eine Ziege und eine Schuppkarren soll seine Habe gewesen sein die er mitgenommen hat.
Nach einjähriger Abwesenheit kehrte er wieder in seine Schwarzwälder Waldhütte zurück.
Wo stand die Gallushütte?
Oberhalb des Musbacher Sportplatzes befinden sich Wanderwege. Von denen wird einer "Gallenwegle“ genannt. Dieser Weg ist ein alter Grenzweg der bis zur Bundesstraße hochführt. Fast schon im Bereich der Bundesstraße war der Standort der Gallushütte.
 
Der andere Weg führt über den "langen Weg" vom Merzenberg Richtung der Höhenstraße (B 294), etwaa 300 m vor der Bundesstraße biegen wir auf demselben rechts ab und nach zirka 200 m treffen wir auf die frühere Markungsgrenze Ober/Untermusbach.

Grenzstein Abteilung Gallushütte

Man kommt jetzt an aussergewöhnlich hohen vierkantigen Markstein der stattlichen Forstverwaltung, der am Wegrand steht. Auf ihm ist eingemeißelt zu lesen „ 13 - Gallushütte- . Damit ist die Abteilung 13 gemeint die im Gedenken an den Einsiedler seinen Namen erhalten hat.
Biegt man jetzt nach links auf einen Holzabfahrtsweg ein. Es ist ein früher mit Holzknüppel ausgelegter Grenzweg zwischen dem früheren Obermusbacher Gemeindewald (Distrikt Schanzenwald) Abt. 7 links und dem Staatswald, Distrikt Gallushütte, Abt.3 rechts. Cirka 177 m vom Forststein -Gallushütte- entfernt lag direkt auf dem Weg die Gallushütte. Die GPS-Daten sind: Längengrad Ost 8.432754 und Breitengrad Nord 48.511696.#
 
Standort der Gallushütte mitten auf dem Weg
Ausgemessen aus dem Ortsplan von Geometer Herrmann von 1836

Von der einstigen Gallushütte ist nichts mehr aufzufinden, selbst die Fundamentsteine fehlen.

Aus Überlieferung ist bekannt, daß Ende des letzten Jahrhunderts noch Hüttenreste vorhanden gewesen sein sollen. Forstexperten haben vor Jahren darüber regeriert, daß aufgrund des damaligen Baumbestandes vom Alter her, sich zu Lebzeiten des Einsiedler dort eine Kahlfläche befunden hat.


Gallushütte am Spielplatz

Zur 400-Jahrfeier von Freudenstadt bauten Musbacher eine Gallushütte und fuhren mit ihr im Festumzug. Jetzt steht die Hütte auf dem Kinderspielplatz Sportanlagen.

Ältere Musbacher Bürger sprachen früher sogar von einer Waldwiese, die in späteren Jahren aber langsam aufgeforstet wurde. Es könnte sich durchaus um eine ältere Brandrodungsfläche gehandelt haben. Die Beschaffung des Boden ist moorig, deutet also auf einen feuchten Untergrund.
 
 

In der Primärkarte (erste erstellte Flurkarte) von 1836 ist die Gallushütte mit Garten maßstabsgetreu eingetragen. Verständlich, da Gallus die Hütte zur Zeit der Kartenerstellung bewohnt hat. Eine Benennung erfolgte jedoch nicht. Es zeigt sich von der Lage her jedoch eine Übereinstimmung mit der obigen Karte von Kuehle. Der rote Eintrag erfolgte durch den Verfasser.

 
Tief im Wald versteckt findet man im verwachsenen Unterholz ein Wasserloch mit einem Abzugsbächlein, das ganz in Moosbeeten eingepolstert ist.
 
möglicher Gallusbrunnen
 
Dies ist der Gallusbrunnen, dem einzigen tatsächlichen Erinnerungsstück an den Einsiedler.
Der Gallusbrunnen ist im Privatbesitz und Eigentum des Landwirts Gerhard Kappler aus Obermusbach.
Gallus Schupp als Familiengründer. Schupp soll ein Hochgewachsener, breitschultriger, etwas finster dreinblickender Mann gewesen sein. Mit breitrandigem Hut, langer Jacke soll er in den Jahren 1798/1799 des öfteren nach Lützenhardt, Salzstetten, und Heiligenbronn gekommen sein, dort besuchte er auch die katholische Kirche.
 Auf diesen Kirchgängen fand Gallus Schupp auch seine Lebensgefährtin. Es war die wohl gleichaltrige Therese Josefine Luger aus Salzstetten, genannt Lugerin, die den Mut aufbrachte die gewollte Armut und das Einsiedlerdasein mit ihm zu teilen.
Klein von Gestalt muß sie im Herzen von gleicher Eigenart wie er gewesen sein. Dazu wirkt sie durch die gedrückte Nase so häßlich, daß man ihr ein hexenhaftes Wesen nachsagte. Sie nahm ihm viele Gänge in die benachbarten Dörfer ab, die Dorfjugend flüchtete vor ihr, versteckte sich oder verschloß sogar die Haustüren, wenn sie aus dem Wald kommend erkannt wurde, oder durch das Klappern der Pfannen und Töpfe die sie an einem Drahtstreifen am Rücken trug, ihr Nahen verraten hatte.
Was die Beiden zu ihrem harten, einsamen Leben brauchten gab ihnen im Sommer der Wald und sonst die handwerkliche Tätigkeit in Ober-und Untermusbach, Igelsberg, Klosterreichenbach, Hallwangen Frutenhof, Grüntal, Wittlensweiler und Kälberbronn, diese Orte wurden abwechselnd von Ihnen aufgesucht.
Dabei soll auch manches Stück Brot, manches Stücklein Fleich oder Wurst, auch mancher Hafen Milch abgefallen sein.
Sonntags am 22.Juli 1800 gebar die Lugerin in Wittlensweiler, bei Bekannten, ihr einziges Kind „Johannes Friedrich“. Noch als kleines Kerlchen mußte das Kind mit auf die Brotgänge. Gleich seinem Vater wuchs der Sohn Fritz unter Entbehrungen und Strenge heran. Er lernte bald bei seiner Waldhütte die Vogelstimmen nachahmen, den Taubenruf und das Bellen des Fuchses, den Balzruf des Auerhahns und das Röhren des Hirsches zur Brunstzeit.
Das Pfannenflicken und Topfdrahten des Vaters erschien zu wenig einträglich, und so wurde er Kesselflicker. Wahrscheinlich hat er dieses Gewerbe in Unterreichenbach und in Fünfbronn erlernt. Denn von dort holt er sich die 25-jährige Barbara Karoline Moser, die Tochter des Keßlers Bernhard Moser, zur Ehefrau. Die Eheschließung war Mittwochs am 07.Juli 1830.
Das junge Paar wird nicht sofort in der Hütte des Vaters gewohnt haben, denn seine vier Kinder von denen 2 sehr früh starben, sind in Wörnesberg, Warth, Grömbach und Wittlensweiler geboren.
Als der Gallus greisenhaft wurde, zog wohl die Familie des Sohnes noch zum Vater in die Hütte und wurde seßhaft.
Gleich dem Vater zog nun der Sohn in die Dörfer auf Arbeit und flickte Kessel für die Schnapsbrennereien und Landwirte.
Er soll ein stattlicher schön gewachsener Mensch gewesen sein, dem die Einsiedelei nicht so zu behagen schien. Man gab ihm auch immer gern etwas für seinen kleinen Josef mit.
Die Enge der Waldhütte mag ihn wohl dazu getrieben haben, daß er nach einem Bauplatz Ausschau hielt.
Er fand ihn in Wittlensweiler wo er mit Musbacher, Grüntaler und Wittlensweiler Holz ein richtiges Häuslein baute. Durch diesen Bau mitten in ein Dorf hinein machte Fritz Schupp mit der Einsiedlerei Schluß.
Auch berufsmäßig war er aufgerückt vom früheren Pfannenflicker zum ehrenwerten Keßler.
In Wittlensweiler ist er Donnerstags den 18.September 1884 verstorben, seine Frau ist ihm bereits 16. November 1878, an einem Samstag im Tod vorausgegangen.
 Die am Sonntag den 11. April 1841 geborene Enkelin des alten Gallus, heiratete am Dienstag den 13.April 1869 in Heiligenbronn den Bürstenbinder und Witwer Konrad Pfaus aus Lützenhardt.
Die Waldhütte des Vaters brannte 1847 aus unerklärlichen Gründen ab. Eine Waldbrandkathasrophe konnte verhindert werden, so berichtet der Chronist.
Nach Überlieferung soll Gallus Schupp im hohen Alter nach Untermusbach gezogen sein, vermutlich ins bestehende Armenhaus, ältere Menschen sprachen davon, daß das Haus des Adam Klumpp, Grenzstraße das frühere Armenhaus gewesen sein soll.
Es gibt in diesem Fall keine schriftlichen Unterlagen.
Dort starb der betagte Einsiedler am Dienstag den 31.Juli 1849. Als Todesursache meldet das Kirchenregister in Grüntal: Nachlaß der Natur, also Alterschwäche.
In seinem Todenregister steht bei Angabe der Ehefrau ein Kreuz, also muß die Lugerin schon vor ihrem Ehemann verstorben sein. Beim Tod des Gallus Schupp soll es Unstimmigkeiten über dessen Beisetzungsort und den Beisetzungskosten gegeben haben. Von behördlicher Seite ist entschieden worden, daß er in Untermusbach beigesetzt werden soll, um dort seine letzte Ruhestätte zu finden. Auch die Bestattungskosten mußten von der Gemeinde Untermusbach übernommen werden. H.Bauer

Ermittelt und aufgeschrieben von Heinz Bauer aus Untermusbach. Fotos mit Kommentaren von Hans Rehberg. Karten aus dem Staatsarchiv Stuttgart, N70 Bü 538 Bild 1 und Staatsarchiv Ludwigsburg EL 68 VI Nr. 14602 Bild 1.

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