Wappen von Musbach Obermusbach

Die Geschichte vom Wurster-Hof

- alte Nr. 15 -

Der Wurster-Hof ist leider am 08.04.1981 abgebrannt. Das alte Haus war ein schönes großes Schwarzwaldhaus.
Heute steht an gleicher Stelle ein neues Gebäude.
 

Der erste bekannte Eigentümer ist nach dem Lagerbuch von 1667 Hans Klaiß, er ist vermutlich vor 1580 geboren und 1623 gestorben. Er wird 1598 im Musterungsregister genannt und besitzt eine Hakenbüchse. Vermutlich sein Vater "Alt" Hans Klaiß stirbt zwischen 1604 und 1607. Im Vogtsgerichts-Protokoll von 1608 unterschreibt noch ein Jacob Klaiss.
Vermutlich übernimmt 1623 Matthäus Leix den Hof. Er ist etwa 1597 geboren und stirbt als Mitglied der weit verzweigten Leix-Familie wahrscheinlich um 1648. Siehe auch Hof-Nr. 1.
Es ist anzunehmen, dass Christian Winter in der ersten Zeit nach dem 30jährigen Krieg den Hof übernimmt. Im Lagerbuch von 1425 (1599) sind die Nachfolger eines Feldes von Michel Blöchlin erst Hans Klaiß und dann Christ Winterer. 
Christian Winter, OM31a bekannt, *nicht bekannt +nicht bekannt. Er heiratet in 1.Ehe am 15.11.1648 Catharina Zifflerin, *etwa 1629 +16.3.1662 aus Röt und ist zu dieser Zeit schon Bürger in Musbach, stammt aber nicht von dort, da sein Name in den Jahrzehnten vorher fehlt. Sie haben 5 Kinder, von denen zwei früh sterben. Die Tochter Barbara erbt den Hof. Der Sohn Johannes Winter, HW88a, *2.10.1659 heiratet 1685 nach Hallwangen. Die Tochter Maria Winter, *18.8.1656 heiratet 1681 Johannes Hausmann in Untermusbach.
Christian heiratet in 2.Ehe am 21.10.1662 Chatarina Mast, *31.10.1637 +21.1.1671 aus Röt. Sie haben 4 Kinder. Der Sohn Benedictus Winter, *31.1.1663 heiratet 1695 Anna Dölker in Oberiflingen und die Tochter Jenophaia (Genoveva) Winter, *21.4.1667 heiratet 1688 Georg Plöchlin in Untermusbach und zwei Töchter sterben früh. Der Hof hat 22 Morgen Felder.
 
Johannes Schmelzlin, OM6d, *1.3.1650 +12.4.1679 heiratet 1676
Barbara Winter, *15.11.1649 +22.4.1714 aus Obermusbach. Sie haben 2 Kinder. Der Knabe stirbt im Kindbett. Die Tochter Martha erbt den Winter-Hof Nr. 15 durch Kauf am 2. Januar 1703 laut Kaufbrief für 550 Gulden KLKB1625-5). Barbara heiratet in 2.Ehe 1679 Johann Jacob Schittenhelm, OM6c, *19.6.1653 +22.3.1709 aus Grüntal. Sie haben 5 Kinder. Drei Kinder sterben früh. Die Tochter Anna Maria Schittenhelm, *8.3.1683 heiratet Martin Huß in Durrweiler. Der Sohn ist Hans Michel Schittenhelm, *31.8.1690, er erbt 1714 von der Mutter und ist 1752 einer der Betroffenen der 3 abgebrannten Häuser. Wir wissen nicht welcher Hof dies war. Das Erbe von Johann Jacob wird im Inventarium IV KLInvIV-51) verteilt, der Sohn Hans Michel erhält nach diesem Erbschein jedoch nur 182 Gulden.
 
Johann Michael Wurster, OM10c, *4.3.1679 +21.2.1748 Weber aus Röt heiratet 1703 Martha Schmeltzlin-Schittenhelm, *7.8.1679 +11.3.1748 die Tochter von Barbara Winter. Johann Michael ist ab 1710 bis 1722 Schultheiß.
Sie haben 7 Kinder, von denen 2 früh sterben. Sohn Martin kauft 1741 für 700 Gulden den Hof von den Eltern. Die Eltern erhalten ein Leibgeding und der Sohn muß auch die Hälfte am Meistergeld in die Weber Handwerkskasse zahlen. Das gesamte Weber-Geschirr ist Bestandteil des Hofkaufs. KlKbI-176) Die Tochter Catharina ,*16.2.1705 heiratet nach Igelsberg. Der Sohn Johann Jacob Wurster, *30.7.1707 heiratet 1735 Catharina Frey in Pfalzgrafenweiler und Michael Wurster, *14.10.1717 heiratet 1744 die Agatha Gäbelen in Pfalzgrafenweiler. Die Tochter Martha Wurster, *11.11.1722 heiratet 1750 Johann Michael Frey, UM88a, in Untermusbach.
 
Martin Wurster, OM27b, *31.10.1710 +22.4.1790 Weber heiratet 1741 Anna Maria Ruoff, *etwa 1723 +5.1.1773 aus Gundelshausen. Sie haben 9 Kinder, von denen 4 früh sterben. Der Sohn Matthias stirbt mit 18 Jahren durch einen Unfall im Wald. Der Sohn Johann Michael erbt den heutigen Frey-Hof  Nr. 16 und der Sohn Martin erbt den hier beschriebenen heutigen Wurster-Hof  (Winter-Hof) Nr. 15.
Die Tochter Anna Catharina Wurster, *2.3.1757 heiratet 1782 Georg Friedrich Gässler in Aach und der Sohn Johannes Wurster, *16.3.1760 heiratet 1789 Anna Barbara Dölker in Wittlensweiler. Martin finden wir im Tabellarischen Verzeichnis von 1769 mit einer Fläche von 20 Morgen Acker, 12 Morgen Wiesen, 1 1/2 Viertel Garten, 12 Horn- und Rindvieh und 1 Schwein. Nach 1769 kommt es zur Abspaltung eines zweiten Hofes, die alte Nr. 16. Am Amtsgericht Reichenbach KLAG1768) wird der Verkauf des Hofes von Marten Wurster an seinen Sohn Marten Wurster für 1100 Gulden am 13.6.1777 eingetragen.
Johann Martin Wurster, OM17-18b, *21.7.1750 +12.12.1828 heiratet am 21.7.1775 Anna Catharina Luz, *26.9.1751 +22.1.1808 aus Cresbach. Sie haben 5 Kinder, Sohn Johannes erbt. Die Erstgeborene Tochter Anna Barbara Wurster, *6.6.1776 heiratet Hans Jerg Klaiß in Herzogsweiler. Die Tochter Anna Catharina Wurster, *21.11.1784 heiratet 1830 Ludwig Kilgus, UM5d, in Untermusbach und stirbt am +4.7.1847 in Herzogsweiler. Der Sohn Johann Martin Wurster, *28.10.1788 heiratet 1813 in Herzogsweiler und die letzte Tochter  Christina Wurster, *19.1.1792 heiratet 1820 in Neu Nuifra. Der Hof hat auf Grund der Abspaltung des Hofes Nr. 16 nach der Vermögensliste von 1777 eine reduzierte Fläche mit 20 Morgen Acker, 3 Morgen Wiesen, 1 Viertel Garten und 1 Viertel Egarden und Viehweide.
Johannes Wurster, OM19a, *26.4.1781 +7.1.1855 heiratet am 6.5.1806 Anna Maria Reutter, *5.6.1783 +9.3.1854 aus Herzogsweiler. Zur Ehe hat Johannes ein Vermögen von 765 Gulden und Anna Maria bringt 1626 Gulden in die Ehe mit.  InvMu-1785)  Sie haben 7 Kinder, von denen eins früh stirbt. Sohn Johann Martin erbt den Hof und der Erstgeborene vorehelich gezeugte Sohn Michael Reutter, *10.9.1806 heiratet 1833 Magdalena Klein in Hallwangen. Die Tochter Catharina Wurster, *22.7.1808 heiratet 1829 Johann Jacob Schmid, UM65c, in Untermusbach. Die Töchter Barbara Wurster, *Jan.1817 heiratet 1838 und Anna Maria Wurster, *18.3.1821 heiratet 1844, beide in Schopfloch. Der letztgeborene Sohn Christian Wurster, *30.7.1823 heiratet nach Unteriflingen.
Im Gewerbe-Kataster von 1821 ist für Johannes Wurster eine Gewerbesteuer von 42 Kreuzer für Potaschesiederei eingetragen. Für die Jahre 1841 und 1863 wurde als Gewerbesteuerzahler für die Potaschesiederei dann Joh. Martin Wurster aufgeführt.
Johann Martin Wurster, OM40a, *27.8.1810 +10.12.1861 heiratet in 1.Ehe 1838 Elisabetha Katharina Frey, *28.9.1816 in Schwarzenberg +22.1.1849 die Tochter von Sebastian Frey, der 1840 den Ochsen kauft.
Sie haben eine Tochter Anna Maria Frey, *13.9.1839 die in Klosterreichenbach Adam Klumpp heiratet. Laut Kirchenbuch wird sie "mit ihrem unehelichen Sohn Johannes, *26.9.1860 nach Reichenbach übergeben", dass heißt sie wird auf Grund ihrer Heirat in Obermusbach ausgebürgert. Die Tochter Anna Marie aus 1. Ehe besteht aus Ausbezahlung ihres mütterlichen Erbanteils, so dass am 11.3.1861 viele Grundstücke verkauft werden müßen. Die bevollmächtigten Verkäufer sind Veit Hirschfelder und E.A. Fröhlich aus Rexingen.
Johann Martin Wurster heiratet in 2.Ehe 1849 Eva Katharina Kalmbach, *14.9.1825 in Breitenberg + 1902 in Altensteig. Sie haben 2 Kinder, von denen der Sohn als Kleinkind stirbt. Entsprechend Bürgermeisterprotokollbuch verläßt die Ehefrau Eva Katharina ihren Ehemann am 11. Januar 1851 mit den Worten:"Daß si es bei diesem versoffenen Trunkenbold nicht länger aushalte".SchuBu1835) Die Tochter Christiana Wurster, *10.1.1856 heiratet 1874 Ludwig Friedrich Kappler in Altensteig. Mutter und Kind werden laut Kirchenbuch 1862 nach dem Tod des Vaters nach Warth übergeben, werden also vermutlich wegen der 2. Ehe der Mutter mit Jacob Friedrich Schwemmle in Warth, ausgebürgert. Am 16.10.1851 wird laut Gemeindratsprotokoll dem Johann Martin Wurster wegen verschwenderischen Lebenswandel und sonstigen Gründen die Geschäftsfähigkeit aberkannt. Als Pfleger (Vermögensverwalter) wird von Gemeinderath Johann Adam Hofer eingesetzt. Dies wird vom Oberamt nicht angenommen, so das am 17.11.1851 dann Johann Adam Bohnet gewählt wurde. Am 12.2.1852 beantragt Johann Martin Wurster beim Gemeindrath ein Zeugniss, da er bei der gnädigsten Herrschaft einen Antrag auf Nachlaß einer Bürgschaft stellen will. Diese Bürgschaft über 7500 Gulden hat er für Sebastian Frey, Ochsenwirth und den Hofgerichtsadvokaten Siedelschwender gestellt. Der Gemeinderath schreibt ihm sein Zeugnis: Johann Martin Wurster ist früher in geordneten Vermögensverhältnissen gewesen. Er ist einzig und allein durch die Bürgschaft schädlich und moralisch zu Grund gerichtet worden, indem er durch dieselbe wie außer sich gekommen ist und sein ganzes Wesen sich zu seinem Nachteil gewendet hat. Das er die Bürgschaft aus übel angebrachter Gefälligkeit eingegangen ist. Das Wurster und seine Familie zeitlebens ruiniert ist, wenn ihm die Bürgschaft nicht erlaßen wird.
Im Frühjahr 1861 heiratet die Tochter Anna Maria und Johann Martin ist in der Lage ihr 6000 Gulden mitzugeben. Der Gemeinderath bestätigt im Protokoll vom 8. März 1861 das er seine Schulden von 7000 Gulden zurückgezahlt hat. Am 11. Oktober 1861 wird die Vormundschaft  vom Oberamtsgericht Freudenstadt auf Antrag zurückgenommen.
Eva Katharina heiratet in 2. Ehe 1862 in Wart
 Jacob Friedrich Schwemmle, OM40b, *19.2.1821 in Wart +4.1.1895 in Altensteig.
Im gleichen Jahr wird als neuer Eigentümer J. Friedrich Schwemmle  genannt. Sie haben 5 Kinder, die alle im ersten Lebensjahr sterben.  
Friedrich Schwämmle ist auch im Grundkataster  und Schätzungsbuch von 1876 der Eigentümer. Die Witwe Katharina Schwemmle verw. Wurster verkauft am 23.5.1876 die Hälfte ihrer Liegenschaft an ihre aus 2.Ehe stammende Tochter Chatarina Schwemmle, Ehefrau von Louis Kappler, Bauer in Altensteig.
Am 27.12.1886 bestätigen die beide Eigentümerinnen Witwe Katharina und Tochter Chatarina den Verkauf der Liegenschaft und beantragen die Streichung im Güterbuch.
 
 
 
 
Im der Tageszeitung "Der Grenzer" von 1875 finden wir ein Gerichtsurteil über eine Klage des Schultheißen Braun gegen Friedrich Schwemmle.
Diese Familie Wurster und Schwemmle endet hier in Obermusbach.
 
Laut Steuer-Güterbuch von 1874 kauft 1887 Mathäus Ziefle den Hof von Jakob Fr. Schwemmle, als nächster Eigentümer ist dann Johannes Schanz eingetragen. Mathäus war zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben, hier handelt es sich wohl um einen Eintragfehler. Am 31.5.1886 kauft Johannes Schanz den Hof von Friedrich Schwämmle.
Johannes Schanz, *26.10.1845 +22.12.1905 aus Tumlingen heiratet 1873 die Witwe Anna Maria Ziefle und führt für sie den Ziefle-Hof bis zu seinem Tod.
 
 
Während dieser Zeit kauft er den Seeger-Hof Nr. 2 und den Wurster-Hof Nr. 15 entsprechend Gebäude-Kataster dann 1886. Er ist 17 Jahre, bis zu seinem Tod, Schultheiß. Johannes hat mit Anna Maria gemeinsame 6 Kinder. Die Tochter Karoline Luise heiratet auf den Benzinger-Hof in Aach.
 
 
Die Tochter Friederika Schanz heiratet Karl Schneider und erbt den Hof Nr. 15. Im Schätzungsbuch wird 1904 und 1909 Karl Schneider als Eigentümer geführt. Am 10.08.1907 wird das Haus im Auftrag der Witwe Friedrika Schneider eingeschätzt.
1909 heiratet Friederika in 2. Ehe
Georg Friedrich Wurster, *3.2.1883  +?aus Igelsberg. Er beantragt am 19.3.1909 die Aufnahme als Bürger.
 

Fritz Wurster 1913
 
Im Schätzungsbuch von 1914 wird mit Datum vom 10.03.1920 Georg Friedrich Wurster und seine Ehefrau Friederika geb. Schanz als Eigentümer aufgeführt. Sie haben einen Sohn, der jedoch im Krieg fällt.
Gottlob Schanz,*18.1.1922, Friederikas Neffe von der anderen Straßenseite wird 1954 adoptiert und erbt den Hof. Er führt den Familien-Namen Wurster-Schanz.
Gottlob Wurster-Schanz, *1922 +1997 heiratet Maria Wurster-Schanz  *1926 +1995.
Sie haben x Kinder.
Im Jahre 1983 brennt der Hof ab. Gottlob baut an gleicher Stelle einen neuen Hof.
Sohn Richard Wurster-Schanz übernimmt den Hof und bewohnt ihn heute.
Einige Obermusbacher Postkarten, auf denen das alte Wurster-Haus zu sehen ist.
Postkarte von 1956
Postkarte von 1956
Postkarte von 1963
Postkarte von 1963
Postkarte siebziger Jahre
Postkarte siebziger Jahre
 
Die Familiendaten entstammen dem Ortssippenbuch (OSB) Grüntal von Günter Frey und Horst Bruns. Die Angabe OM.. hinter dem Namen entspricht dem OSB-Verzeichnis. Aus der Website www.klosteramt-reichenbach.de von Dr. Juergen Wurster sind die Informationen über die Höfe der Frühgeschichte entnommen. Weitere Daten sind aus dem Landesarchiv Stuttgart H102/63 Bd. 4 + 10, A516L Bü6 und Ortsarchiv Musbach. KLKB1625-2) Archiv Baiersbronn Klosterreichenbach Kaufbriefe 1625, KLAG1768) Archiv Baiersbronn Amtsgerichtsbuch 1768, KLInvIV-51)Archiv Baiersbronn Klosterreichenbach Inventuren Band IV Abschnitt 51, KlKbI-176)Archiv Baiersbronn Klosterreichenbach Kaufbuch I,  InvMu-1785) Archiv Musbach Inventarienbuch 1785-1810), SchuBu1835)Archiv Musbach Schultheissenbuch 1835. Aufgeschrieben von Hans Rehberg.
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